Der Reiz des Neuen

Erfahrungen
Credits: Anne-Pauline Piper
Credits: Anne-Pauline Piper

Junge Menschen in Deutschland und Frankreich zusammenzubringen und ihr Verständnis füreinander zu vertiefen – darum geht es dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW). Ein Angebot ist der Freiwilligendienst. Jobs bietet zum Beispiel EUCOR – The European Campus: Anne-Pauline Piper und Warren Fleurot haben ihre Tätigkeit an der Université de Strasbourg und am Karlsruher Institute für Technologie (KIT) zum 1. September begonnen.

Für Warren war Deutschland weit weg – er lebt in La Réunion. „Ich habe nicht viel Gelegenheit, deutsch zu sprechen“, sagt der 21-Jährige. In seinem Studium „Langues, Littératures, Civilisations Etrangères et régionales – Allemand“ an der Universität in St. Denis befasste er sich mit Literatur, Film und Geschichte des deutschsprachigen Raums. Er drehte einen Film mit Schülerinnen und Schülern in deutscher und kreolischer Sprache, später absolvierte er ein Praktikum beim offenen Kanal Merseburg-Querfurt bei Leipzig. Nach dem Bachelorabschluss im Juni sah er den richtigen Zeitpunkt gekommen, um sich für einen längeren Aufenthalt in Deutschland zu bewerben. Er versuchte es beim DFJW, über das er viel Gutes gehört hatte – von seinem Deutschlehrer und von zwei Volontären, die er in St. Denis kennengelernt hatte.

Anne-Pauline hatte von ihrer Mutter gehört, welche Möglichkeiten es beim DFJW gibt. „Sie kannte es von ihrer Arbeit an der Deutsch-Französischen Hochschule“, sagt die 18-jährige, die sich nach dem Abitur am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wernigerode für den Freiwilligendienst anmeldete.
Die Einrichtungen, die Plätze anbieten, schauen sich die Bewerbungen an und wählen aus. „Mein Bewerbungsgespräch habe ich per Skype geführt“, erzählt Warren. Zum Auftakt des Freiwilligendienstes besuchten er, Anne-Pauline und die anderen Volontärinnen und Volontäre ein Seminar des DFJW – drei weitere drehen sich unter anderem um die Kultur des Gastlandes.

Zehn Monate werden die beiden nun im jeweiligen Gastland tätig sein. Warren arbeitet zur Hälfte in der Dienstleistungseinheit Internationales am KIT, wo er für die Deutsch-Französische Initiative und Eucor im Einsatz ist, zur Hälfte im Studierendenwerk, wo er Studierende berät. Auch Anne-Pauline teilt sich ihre Zeit ein: Rund 30 Stunden in der Woche arbeitet sie im Espace Avenir der Université Strasbourg, einer Serviceeinrichtung, die Schülerinnen, Schüler und Studierende informiert und berät. „Ich erarbeite Vorträge, mit denen wir die Mobilität der Französinnen und Franzosen nach Deutschland fördern wollen.“ Sie wird vor Schülerinnen, Schülern und Studierenden sprechen und Möglichkeiten wie ein Studium, ein Volontariat beim DFJW oder einen Erasmus-Austausch vorstellen. „Es ist wichtig, dass Jüngere die Vorträge halten“, sagt Anne-Pauline. Sie wirkten authentisch auf die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer. Vier Stunden pro Woche bereitet sie im Atelier Linguistique Französinnen und Franzosen, die Deutsch lernen wollen, auf Sprachtests vor. „Ich unterhalte mich mit ihnen über aktuelle Themen, zum Beispiel die Bundestagswahl.“ Daneben nimmt sie sich noch Zeit für ein Schnupperstudium in Jura.

Für Anne-Pauline ist die Zeit in Strasbourg ein Orientierungsjahr: „Ich möchte herausfinden, welches Studium mich wirklich interessiert.“ Sie will ihr Französisch verbessern und Kontakte knüpfen. Und sich für die deutsch-französischen Hochschulbeziehungen, die Freundschaft zwischen den beiden Ländern einsetzen. „Das will ich auch im Studium fortsetzen und mich in einem Studierendenverein engagieren.“ Direkt nach dem Freiwilligendienst reist sie aber erst einmal durch Europa.

Auch Warren will Erfahrungen sammeln, „damit ich die Entscheidung über meinen weiteren Weg treffen kann.“ Wird er im kulturellen Umfeld arbeiten oder in der freien Wirtschaft? Auf jeden Fall soll sein Job ein internationales Umfeld haben. Wichtig ist ihm in Karlsruhe auch, Leute zu treffen und einer neuen Arbeit nachzugehen. Und Kultur und Leben in Deutschland will er kennenlernen – „die Unterschiede zu La Réunion sind groß“. Der Verkehr ist in Karlsruhe besser organisiert, findet er. Und das Wetter ist auch anders: „In La Réunion scheint fast immer die Sonne.“

Von Klaus Rümmele

Wann?

Dienstag, 10. Oktober 2017 - 13:30