Junger Gründergeist kennt keine Grenzen

Martin Thoma von der PionierGarage. Credits: Manuel Balzer/KIT

Am 10. Februar 2018 findet das EUCOR Pitch Event statt, an dem deutsche und französische Studierende teilnehmen. Die PionierGarage organisiert die Veranstaltung federführend. Kooperationspartner der Hochschulgruppe am KIT sind das Institut für Entrepreneurship, Technologie-Management und Innovation (EnTechnon) am KIT sowie das Projekt „Entrepreneurship beyond borders“ der Université de Haute Alsace und der Université de Strasbourg. Die Veranstalter erwarten ungefähr 40 Teilnehmer, deren Projekte von einem sechsköpfigen Expertenteam ausgewertet werden, das die Université de Strasbourg stellt. Das übergeordnete Ziel ist der Austausch zwischen den Universitäten und den Teams.

Christine Grinewitsch von der Dienstleistungseinheit Internationales des KIT hat sich mit den Hauptorganisatoren unterhalten. Professor Dr. Orestis Terzidis, der mehrere Jahre in Frankreich gelebt hat, und Alexander Tittel von EnTechnon erläutern die Ziele der Veranstaltung und ihr Streben nach Internationalisierung. Martin Thoma von der PionierGarage erzählt von seinen Erfahrungen und dem Gründergeist Studierender. Gemeinsam geben sie Tipps, worauf junge Gründer bei einem Pitch besonders achten sollen.

Herr Thoma, Sie studieren im fünften Bachelorsemester Wirtschaftsingenieurwesen. Nutzen Sie Ihr Wissen bereits für eigene Ideen und Projekte, die Sie gerne umsetzen würden? Oder steht das Studium im Vordergrund?
Thoma: In der PionierGarage sprießen die Ideen. Dadurch, dass ich mich täglich in diesem Umfeld bewege und die Leute kenne, kommt es tatsächlich oft vor, dass ich auf Ideen angesprochen und gefragt werde, ob ich nicht Lust habe irgendwo mitzumachen. Wir veranstalten in der PionierGarage öfters Hackathons oder es kommt auch eine Beratungsfirma und veranstaltet einen Design Thinking Workshop. Die Aufgabe ist dann, eine Idee bis hin zur Marktreife zu entwickeln. Wenn dabei interessante Projekte herauskommen, dann kriegt man auch Lust diese zu verwirklichen.

Was hat Sie dazu bewegt, bei der PionierGarage mit einzusteigen?
Thoma: Ich bin eigentlich mehr über Zufall zur PionierGarage gekommen, über Freunde, Freundesfreunde und Events. Ich wollte mich während des Studiums eigentlich nur ein wenig engagieren und nun bin ich sogar der Event-Vorstand. Es macht auch sehr viel Spaß, denn die Einstellung vieler Mitglieder ist, entweder ich gebe 110 Prozent oder gar nichts. Dadurch sind der Teamspirit und die Atmosphäre hier sehr produktiv und aufregend.

Herr Terzidis, Herr Tittel, was ist das Ziel des Pitch Events?
Terzidis: Es gibt mehrere Dimensionen. Zum einen bietet die Veranstaltung eine Gelegenheit für die Teams, sich zu präsentieren und damit ihre Gedanken zu klären und so voranzukommen. Zum anderen fördert die Veranstaltung die internationale Vernetzung. Dass Frankreich unser geographischer Nachbar ist, ist eine außergewöhnlich günstige Situation. Wir können sie nutzen, um die Partnerschaft zu fördern. Beide Länder sind zwar verschieden, aber auch komplementär in vieler Weise. Wenn ein französisches Team dann plötzlich versteht, was für Anforderungen es eigentlich in Deutschland gibt oder umgekehrt, dann stelle ich mir das interessant vor. Es passiert aber noch zu selten.
Tittel: Wir wünschen uns auch, dass die Studierenden zusammen kommen, sich nicht nur kennenlernen, sondern sich auch über ihre Ideen durch diesen Pitch austauschen. Sie sollen lernen, welche Ideen es auf der anderen Seite des Rheins gibt, und herausfinden, ob sie komplementär sind. Dadurch können sich plötzlich Kontakte ergeben, die man nutzen kann, um gemeinsam zu arbeiten. Man findet Ansprechpartner, die einem helfen können, eine Frage zu beantworten. Wir planen ein kleines Social Event als Abschluss im Schlossgarten, damit die französischen Teams das KIT und die Umgebung kennenlernen und sich auf einer persönlichen Ebene mit den deutschen Teams austauschen.
Thoma: Das Ziel ist vor allem auch, sich durch den Austausch als Team weiterzuentwickeln. Es geht hautsächlich darum, die Teams voranzubringen und ihnen den Mut zu machen, an ihrer Idee weiterzuarbeiten.

Woran erkennen Sie, ob ein Pitch gut ist?
Thoma: Es gibt verschiedene Kriterien, die manchmal auch der Veranstalter setzt. Zum einen geht es um die  Validierung einer Idee, wie gut man sie einbringen kann und wie sie sich auf dem Markt schlagen wird. Dann geht es um die Umsetzung: Welche Fortschritte hat man gemacht, auch in Bezug auf die Marketing-Strategie? Ein sehr wichtiger Punkt, der oft unterschätzt wird, ist das Team selbst. Viele Investoren achten zum Beispiel viel mehr darauf, wie das Team zusammengebaut ist und ob die Mitglieder wirklich alle hinter der Idee stehen oder ob es nur ein Nebenprojekt ist. Ohne ein starkes Team ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Projekt fehlschlägt, da die Konkurrenz im Start-Up-Umfeld sehr groß ist.

Worauf sollten junge Gründer bei der Vorstellung besonders achten?
Terzidis: Der Pitch ist ein sehr wichtiges Kommunikationselement, aber auch Selbstfindungselement im Entrepreneurship-Umfeld. Es hilft Teams immer, ihre Idee in einer Situation auf den Punkt zu bringen: Wer sind wir, was wollen wir, was machen wir, wohin wollen wir eigentlich mit der Sache, was ist unsere Strategie?
Thoma: Es geht im Pitch darum herauszuarbeiten, warum das Team besonders ist oder warum es einen Vorteil gegenüber anderen Teams hat, die in den gleichen Markt einsteigen wollen. Was ist mein „unfairer“ Vorteil, was habe ich, was andere nicht haben? Man muss sich selbst und seine Idee in sehr kurzer Zeit gut verkaufen können. Für einen normalen Standard-Pitch hat man drei Minuten Zeit. Normalerweise müsste das reichen, um seine Geschäftsidee und das Team vorzustellen. In diesem Event werden wir jedoch die Zeit etwas ausdehnen, da die Teams noch sehr am Anfang stehen und noch kein professionelles Pitch-Deck haben, das sie jedes Mal herunterbeten. Sie kriegen von uns bis zu fünf Minuten Zeit für den Pitch, danach stellt das Publikum Fragen.

Was hat Sie dazu bewegt, die Veranstaltung grenzüberschreitend zu gestalten?
Thoma: Die PionierGarage ist ein studentischer Verein am KIT, wir wollen Studierende unterstützen, aber natürlich wollen wir auch wachsen und uns bekannter machen. Es ist für uns eine Chance, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und internationale Beziehungen zu pflegen. Einige unserer Mitglieder sind aktuell im Silicon Valley und in London oder auch anderen Teilen von der Welt und versuchen schon dort den Gründergeist und die Marke Pioniergarage bekannt zu machen. Trotzdem haben wir im regionalen und internationalen Bereich noch nicht so viele Kontakte.

Planen Sie weitere grenzüberschreitende Veranstaltungen?
Thoma: Dieses Format ist jetzt ein Prototyp, um zu sehen, ob es Ausbaupotenzial hat. Natürlich kann man das im größeren Format machen, so wie der größte deutsche, von  Studierenden organisierte Gründungswettbewerb GROW. Bisher haben wir uns hier sehr stark auf Karlsruhe und die Umgebung fokussiert, jedoch wollen wir nächstes Jahr auch die EUCOR-Universitäten mit ins Boot holen und die Teams von den Universitäten gezielt anwerben, damit sie teilnehmen.

Wann?

Dienstag, 6. Februar 2018 - 14:15